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Welt am Draht

BERLIN

JULIA STOSCHEK COLLECTION BERLIN

2. JUNI–13. NOVEMBER 2016

WELT AM DRAHT ist der Titel der ersten Präsentation in der neuen temporären Dependance der JULIA STOSCHEK COLLECTION in Berlin. Die JULIA STOSCHEK COLLECTION widmet sich in dieser Ausstellung medienbasierten Werken, die sich mit den Einflüssen und Veränderungen auf unsere gesellschaftliche Realität, Identität und Umwelt seit der Digitalisierung auseinandersetzen.

In 38 Hauptwerken von 20 internationalen Künstlern aus dem Bestand der JULIA STOSCHEK COLLECTION, angefangen von raumgreifenden Videoinstallationen, skulpturalen Arbeiten, einer Performance, einer monumentalen Echtzeitsimulation bis hin zu einer eigens für die Ausstellung produzierten Arbeit des Künstlerkollektivs K-HOLE veranschaulicht diese Ausstellung eine völlig neue künstlerische Formensprache, die erst durch die Digitalisierung ermöglicht wird.

Ian Cheng, EMISSARY FORKS AT PERFECTION

Still (Detail):

Ian Cheng, EMISSARY FORKS AT PERFECTION, 2015, Echtzeitsimulation und Story, unbegrenzte Dauer, Farbe, Ton. Courtesy of the artist and Pilar Corrias, London

Ian Cheng
Rachel Rose, PALISADES IN PALISADES

Videostill (Detail):

Rachel Rose, PALISADES IN PALISADES, 2014, Einkanal-HD-Videoinstallation, 9’31’’, Farbe, Ton. Courtesy of the artist and Pilar Corrias, London

Rachel Rose
Wu Tsang, A DAY IN THE LIFE OF BLISS

Videostill (Detail):

Wu Tsang, A DAY IN THE LIFE OF BLISS, 2014, Zweikanal-Videoinstallation, 20’26’’, Farbe, Ton. Courtesy of the artist and GALERIE ISABELLA BORTOLOZZI

Wu Tsang

WELT AM DRAHT

WELT AM DRAHT leitet sich ab vom gleichnamigen zweiteiligen Fernsehfilm aus dem Jahre 1973 des deutschen Filmemachers Rainer Werner Fassbinder (geboren 1945 in Bad Wörishofen, gestorben 1982 in München). Die Handlung des Films ist widerum nach der Romanvorlage SIMULACRON 3 (dt. Ausgabe WELT AM DRAHT, 1965) des amerikanischen Autors Daniel F. Galoye aus dem Jahr 1964 entstanden.

Am Institut für Kybernetik und Zukunftsforschung wird nichts dem Zufall überlassen. Angeblich zu Forschungszwecken wird von einem privaten Unternehmen mit Hilfe eines Großrechners eine computeranimierte Welt eingerichtet, in der sich wirtschaftliche und soziale Entwicklungen simulieren lassen, um Prognosen und damit Handlungsentscheidungen treffen zu können. Dieser Großrechner namens Simulacron 1 ist in der Lage, einen Ausschnitt der Realität mitsamt ihren Bewohnern perfekt zu simulieren. Die simulierten Personen haben zwar ein eigenes Bewusstsein, jedoch keine Ahnung, dass sie nur Teil einer virtuellen Realität sind.

Eine der zentralen Arbeiten in der Ausstellung ist die Echtzeitsimulation von Ian Cheng (geboren 1984 Los Angeles, lebt und arbeitet in New York) aus dem Jahre 2015. Sein künstlerisches Werk beschäftigt sich vor allem mit dem Evolutionsprozess in Bezug auf den Menschen, der Wesensart von Mutationen und der damit zusammenhängenden Fähigkeit des Menschen, sich an äußere Bedingungen anzupassen. Die virtuell animierten Echtzeitsimulationen, die im 3-D-Videogame-Design entstehen, dienen Cheng dazu, mikroskopisch wesentliche Mechanismen des komplexen und über Jahrtausende andauernden Evolutionsprozesses für den Rezipient erfahrbar zu machen. Dabei begreift der Künstler seine Echtzeitsimulationen als „neurologische Gymnastik“, die dem Betrachter an die Erfahrung des fortwährenden Wandels sowie an Zustände der Verwirrung, Beklemmung und der kognitiven Dissonanz gewöhnen sollen.

Künstler wie Britta Thie oder das Künstlerkollektiv K-HOLE nutzen in ihren Werken die Bilder der Werbung als primäre Sprache. Konsum- und Produkterfahrung in kapitalistischen Gesellschaften werden zum Subjekt der Kunst.

Jon Rafman, Wu Tsang, Hannah Black und Hito Steyerl hingegen thematisieren die Zerrissenheit in der digitalen Kultur und Subkultur von Online-Communities.

Ein weiterer Aspekt der Ausstellung ist die Definition von Sterblichkeit, die besonders in den zwei Videoinstallationen A MINUTE AGO und PALISADES IN PALISADES von 2014 der 1986 geborenen US-amerikanischen Künstlerin Rachel Rose (lebt und arbeitet in New York) als zentrales Motiv erörtert wird. Die Schauplätze und Sujets ihrer Videoarbeiten reichen vom Glass House von Philip Johnson bis hin zum Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg und Darstellungen von Parkgestaltung im 19. Jahrhundert. Die Erzählungen provozieren einen Déjà-vu-Effekt, überlagern sich gegenseitig und offenbaren verschiedene Sichtweisen auf den Tod.

Die Werke der Präsentation vereint ein kritischer Impuls, der die Frage nach Limitierung und Legitimierung der digitalen Technik stellt.


Liste der Beteiligten Künstler/Innen

Ed Atkins, Neïl Beloufa, Hannah Black, Ian Cheng, Loretta Fahrenholz, Cao Fei, Melanie Gilligan, Camille Henrot, Juliana Huxtable, K-HOLE, Josh Kline, Helen Marten, Jon Rafman, Rachel Rose, Timur Si-Qin, Frances Stark, Hito Steyerl, Britta Thie, Wu Tsang, Amir Yatziv

Sammlung

Die JULIA STOSCHEK COLLECTION ist eine private Sammlung zeitgenössischer, internationaler Kunst mit Fokus auf zeitbasierter Medienkunst. Die 2007 gegründete Privatsammlung verfügt über ein eigenes Ausstellungsgebäude in Düsseldorf, dem zur öffentlichen Präsentation insgesamt 3000 qm zur Verfügung stehen.

Derzeitig befinden sich über 700 Werke von rund 200 vorwiegend europäischen und US-amerikanischen Künstlerinnen und Künstlern im Sammlungsbestand. Die verschiedenen inhaltlichen Aspekte der Sammlung werden in regelmäßig wechselnden Ausstellungen und deren Publikationen präsentiert und dokumentiert. Die stetig wachsende Sammlung konzentriert sich in ihrer Konzeption vor allem auf das bewegte Bild seit den 1960er Jahren bis heute und umfasst eine Reihe von Disziplinen: Video, Einzel- und Mehrfachprojektionen von analogem und digitalem Filmmaterial, Multimedia-Environments sowie computer- und netzbasierte Installationen, aber auch ephemere Kunstformen, wie Performances.

In Ergänzung zum Düsseldorfer Standort wird ab dem 2. Juni 2016 eine temporäre Dependance in Berlin für das Publikum geöffnet. Die Ausstellungsfläche umfasst 2500 qm und befindet sich in Berlin-Mitte an der Leipziger Strasse 60, im Gebäudekomplex des ehemaligen tschechischen Kulturzentrums der früheren DDR.
Zuletzt waren hier der Club „Konzulát“ und die Bürogemeinschaft Konzulat-Studios beheimatet.

Für die Umgestaltung des Objekts in einen Ausstellungsraum ist die Berliner Architektin Johanna Meyer-Grohbrügge verantwortlich.
Mit der Eröffnung einer Dependance in Berlin ist die JULIA STOSCHEK COLLECTION als erste Privatsammlung in Deutschland an zwei Orten gleichzeitig – in Düsseldorf und Berlin – für die Öffentlichkeit zugänglich.

Besuch

Adresse

JSC BERLIN, Leipziger Strasse 60 (Eingang über Jerusalemer Strasse), D 10117 Berlin. Anfahrt

Öffnungszeiten

9. Juni–13. November 2016, Donnerstag–Sonntag, 14–20 Uhr. Sonderöffnungszeiten zur Berlin Art Week: 13.–18. September 2016, 12–20 Uhr.

Eintritt

5 Euro. Freier Eintritt für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre, Schüler, Studierende, Auszubildende, Menschen mit Behinderungen, Rentner, Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger gegen Vorlage eines gültigen Ausweises.

Führungen

Öffentliche, deutschsprachige Führungen durch die Ausstellung: Donnerstag und Freitag, 19 Uhr/Sonntag, 15 Uhr. Öffentliche, englischsprachige Führungen durch die Ausstellung: Sonntag, 17 Uhr. Kosten: 10 Euro pro Person (inkl. Eintritt). Sonderführungen außerhalb der Öffnungszeiten: Kosten: 20 Euro pro Person für Gruppen ab 10 Personen (inkl. Eintritt). Anmeldung und Anfragen bitte per E-Mail unter besuch@jsc.berlin

Teil-Barrierefreier Zugang

Barrierefreier Zugang ins Erdgeschoss der JSC Berlin. Die erste Etage ist für den Besuch mit Rollstuhl oder Kinderwagen nicht geeignet (Zugang nur übers Treppenhaus; kein Aufzug vorhanden).

Zeitung

Begleitend zur Ausstellung erscheint eine kostenlose Zeitung mit einem Essay von Hannah Black und einführenden Texten zu den einzelnen Werken. Erhältlich am Empfang der JSC BERLIN oder hier als Download.
Infos zu Veranstaltungen und Ausstellungen

Kontakt

Telefon
+49 30 921 06 246 0
Adresse
Leipziger Strasse 60
(Eingang über Jerusalemer Strasse)
10117 Berlin
Deutschland
E-Mail
Allgemeine Anfragen: info@jsc.berlin Anfragen zum Besuch oder zu Führungen: besuch@jsc.berlin Leitung Organisation JULIA STOSCHEK COLLECTION BERLIN: Paola Malavassi: malavassi@jsc.berlin
Julia Stoschek Collection Düsseldorf